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Landwirtschaft und Wald

Wassermangel und Hitze treffen die Luzerner Bäche schwer

Aufgrund der anhaltenden Trockenheit, der niedrigen Wasserstände der hohen Wassertemperaturen und geringer Sauerstoffkonzentrationen sind viele Fische und andere Wasserlebewesen in einer existenzbedrohnenden Lage. Noch ist kein Ende der Trockenheit in Sicht. Doch schon heute ist absehbar, dass der Sommer 2026 massive Schäden bei der wassergebundenen Lebensgemeinschaft verursachen wird.

Es gehört zum Wesen der Natur, periodisch durch Störungsereignisse (Waldbrände, Murgänge, Flutkatastrophen etc.) ganze Ökosysteme zu tangieren. Egal, ob die Störung menschgemacht ist oder nicht, das Ereignis ist nicht abwendbar und fordert seinen Tribut.

Wie aktuell das Verdorren von Futterwiesen nicht aufzuhalten ist, lässt sich auch das teilweise Trockenfallen von Bächen und Bachabschnitten nicht verhindern. Punktuelle Eingriffe in den Lebensraum oder Rettungsaktionen für eingeschlossene Fische zeigen in einer gesamtheitlichen Betrachtung leider nur einen verschwindend kleinen Effekt.

Wildtiere und Fische gehören niemandem (res nullius), nicht zuletzt, weil man sie weder lenken noch für sie sorgen kann. Für diese Freiheit tragen Wildtiere – gegenüber Heimtieren – ein grosses Risiko, bei entsprechenden Umwelteinflüssen zu sterben. Dies wird für Millionen von Wasserlebewesen im Sommer 2026 unabwendbar der Fall sein. Neben den Fischen sind auch Krebse, Muscheln und insbesondere zahllose wirbellose Tierarten betroffen.

In diesem Gesamtkontext sind die Möglichkeiten der Luzerner Fischereiaufsicht sehr begrenzt. Die Handlungspositionen lassen sich wie folgt umschreiben:

  • Zusammen mit den ortskundigen Pächterinnen und Pächtern wird die Gesamtsituation im Gewässer beurteilt.

Es stellen sich folgende Fragen:

  • Können die eingeschlossenen Fische im austrocknenden Abschnitt überhaupt eingefangen werden?
  • Gibt es im Einzugsgebiet Gewässerabschnitte mit genügend fliessendem, kühlem Wasser und ausreichendem Sauerstoffgehalt, wohin Fische umgesiedelt werden können?
  • Werden mit der Umsiedlung «geretteter» Fische nicht die ortsansässigen Fische im Zielgewässer in Gefahr gebracht (Dichtestress, Krankheiten, Futtermangel etc.)?
  • Wie sicher kann man sein, dass der Zielabschnitt auch in Tagen und Wochen noch genügend Wasser haben wird?
  • Gibt es besondere Lokalitäten (Kaltwasseraufstösse, einmündende Bäche mit kühlerem Wasser etc.), welche für die Bade- oder Erholungsnutzung als zu meiden signalisiert werden sollten?

 

Perspektive

Im Wald haben grosse Störungsereignisse (Stürme, wie Vivian oder Lothar) zwar Verwüstung gebracht, auf mittlere und längere Sicht aber auch grosse Chancen eröffnet.

Auch im Bereich Gewässer gilt es, an positive Optionen für die zukünftige Ausrichtung von Gewässeraufwertung und Fischerei zu denken. Nach der Trockenheit stellen sich für das gesamte Luzerner Fliessgewässersystem folgende Fragen:

  • Wie resilient (widerstandsfähig, robust, belastbar) sind unsere Fliessgewässer?
  • Wie schnell werden die ausgetrockneten Abschnitte von den verschiedenen Wassertierarten und -gruppen natürlich wiederbesiedelt?
  • Welche Strukturen im und am Gewässer fehlen und könnten in einer nächsten Trockenperiode präventive Effekte erzielen?
  • Wie lange dauert es, bis eine fischereiliche Nutzung wieder nachhaltig möglich ist?
  • Wo und welche Rückzugsgebiete konnten während der stärksten Trockenheit dokumentiert werden?
  • Welche vorsorglichen Massnahmen müssen Bund und Kantone für die nächste Krise vorsehen (Rechtsgrundlagen schaffen für den zusätzlichen Biotop- und Artenschutz in besonderen Wetterlagen)?
  • u.a.m.